Wozu die Initiative?
January 9, 2010 in Manifest von Wolfgang Weicht
Internet und digitale Technik verändern unsere Welt so radikal, dass dies nur mit Meilensteinen in der Geschichte der Menschheit wie der Erfindung des Buchdrucks oder der Industriellen Revolution vergleichbar ist.
Jeder kommt mit dem Internet in Berührung, entweder weil er es nutzt oder weil er merkt, dass Angebote, Märkte, Dienstleistungen dorthin abwandern und nicht mehr in der gewohnten Form in der realen Welt verfügbar sind. Aber nur wenige haben auch nur eine grobe Vorstellung davon, wie stark Internet und Digitalisierung Wirtschaft, Gesellschaft und Recht verändern und was die Zukunft noch bringen wird.
Noch weniger Menschen haben die Fähigkeiten und das Selbstvertrauen, ihren Weg in diese neue Welt selbst zu suchen und dabei kreativ und kritisch zu sein. E-Mails verschicken und Informationen googeln zu können und in einem sozialen Netzwerk aktiv zu sein, bedeutet noch keine Medienkompetenz.
Darum rufen wir Menschen, die sich beruflich oder im Studium mit dem Internet und digitalen Technologien beschäftigen, dazu auf, in die Schulen zu gehen und mit Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern zu reden. Über ihre alltägliche Arbeit, über das Leben mit dem Internet. Über Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen sozialer Netzwerke. Über neue Möglichkeiten, kreativ zu sein. Über neue Formen der Arbeit und der Zusammenarbeit. Über die Zukunft der Kreativwirtschaft und anderer Wirtschaftszweige. Über die Zukunft der Wissensvermittlung und den Kampf ums Urheberrecht.
Die Grundstruktur der Einstiegs-Stunde sollte im Allgemeinen eine Präsentation mit anschließender Diskussion oder auch nur eine Diskussion sein. Es sollte kein Computerkurs sein, nicht einmal Internetzugang ist erforderlich. Das mag angesichts des Themas paradox klingen. Der persönliche Kontakt und das persönliche Gespräch sollen aber beim Erstkontakt den Vorrang haben, darum muss zunächst über das Internet geredet werden, bevor eventuell damit oder darin gearbeitet wird.
Es wäre natürlich erwünscht, aber in keiner Weise vorgegeben, dass sich daraus dann Projekte entwickeln, bei denen die Schüler aktiv mitmachen können, oder dass einzelne Schüler oder Gruppen im Gegenzug in Unternehmen eingeladen werden. Vielleicht wird der Gast auch gebeten, einen weiteren Vortrag bei einer Abendveranstaltung zu halten, zu der weitere Lehrer und/oder Eltern eingeladen sind.
Das Ziel der Initiative ist es, durch sachliche Information Medienkompetenz zu stärken, Schüler auf die stattfindenden und zukünftigen Umwälzungen von Wirtschaft und Gesellschaft vorzubereiten, auf neue Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Diffuse Ängste sollen abgebaut werden und stattdessen ein aufgeklärtes Bewusstsein für Gefahren geschaffen werden.
Letztlich geht es darum, dringend nötige Debatten über wirtschaftliche, gesellschaftliche und rechtliche Folgen und Fragen der neuen Technologien in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und dabei das Niveau der Diskussion zu heben.


Das Manifest auf der Startseite sagt viel über das Was und Warum; hilfreich wäre es, noch Wer und Wie zu ergänzen: Wer steht hinter der Initiative? Wie ist er/sie auf die Idee gekommen? In welcher Form wird sie durchgeführt? Wie ist der organisatorische Ablauf aus Professionalsicht, aus Lehrersicht, aus Schülersicht? Wird die Initiative von einer öffentlichen oder privaten Institution getragen oder gefördert? Falls nein, wird eine solche Förderung angestrebt? Falls nein, warum nicht? Mit solchen Infos könnte man sich leichter ein rundes Bild machen.
@Kilian: Danke für die konstruktive Kritik und den Anlass, auf diese natürlich wichtigen Fragen einzugehen.
Zum Wer: Ich habe mich und meine persönlichen Beweggründe unter “Vorstellungsrunde” hier und auch in der Xing-Gruppe vorgestellt. Viele der teilnehmenden Professionals sind in der Xing-Gruppe registriert, sodass man über ihre Xing-Profile etwas über sie erfahren kann, und einige haben sich auch in der Gruppe mit einem kurzen Text vorgestellt.
Wie sind wir auf die Idee gekommen? Das kann ich wirklich nicht sagen, sie kam einfach zu uns.
In welcher Form wird sie durchgeführt? Allgemeines dazu habe ich hier im Blog unter “Manifest/Erste Schritte” geschrieben. Die Grundidee ist also ein simples Netzwerk, in dem sich Anbieter und Nachfrager von Wissen über digitale Technologien zusammenfinden können. Ich kann und will kein allgemeingültiges Veranstaltungskonzept oder bestimmte Prozesse vor- und Gütesiegel vergeben. Hier sind intelligente und hochqualifizierte Leute angesprochen, ich vertraue darauf, dass die selbst am besten wissen, wie sie im konkreten Fall – in ihrer Stadt, zu ihrem Thema – etwas auf die Beine gestellt bekommen.
That said… Im Rhein-Main-Gebiet allerdings möchten wir Initiatoren auch selbst Veranstaltungen (die hoffentlich Vorbildcharakter haben werden
) organisieren oder zumindest anregen. Zu diesem Zweck entwickele ich derzeit mit allen Professionals, die zu uns kommen und ernsthaftes Interesse signalisieren, Veranstaltungskonzepte. Meist treffen wir uns dazu persönlich in größerer oder kleinerer Runde. Die ersten Früchte unserer Arbeit siehst du in der Rubrik “Angebote der Professionals”. Gleichzeitig knüpfen wir Kontakte zu möglichen Organisatoren. Wir haben bisher grundsätzliches Interesse von einem Frankfurter Museum, vom Hochbegabtenzentrum der VHS und von einem privaten Anbieter im Bereich Bildung/Kinderbetreuung/Familie signalisiert bekommen. Konkretes können wir aber noch nicht vermelden.
Wer auch Veranstaltungskonzepte hier einstellen will, der wende sich bitte an Wolfgang oder an mich. In der Xing-Gruppe ist es mit den Schreibrechten einfacher, dort kann jeder in den Foren Themen nennen, zu denen er Veranstaltungen anbieten möchte. Die Schreibrechte für das Forum mit den eigentlichen Konzepten habe ich zwar derzeit den Moderatoren vorbehalten, das sollten wir aber vielleicht ändern. Ich möchte nämlich nur Hilfestellung und gedankliches Sparring anbieten, nicht mich als “Flaschenhals” oder Zensor etablieren.
Von einer Institution getragen oder gefördert werden wir derzeit nicht. Wir versuchen hier in Frankfurt natürlich Organisatoren zu finden, die bereit sind, den Professionals für die Veranstaltungen ein Honorar oder wenigstens eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Einige Veranstaltungen werden aber sicher auch “für die Ehre” ohne Honorar gehalten werden. Ansonsten wollen wir erst einmal etwas – hoffentlich Gutes – auf die Beine stellen und *dann* weitersehen.
Eine interessante und sicherlich gute Initiative. Schade, dass meine Schule nicht in der Nähe von Frankfurt liegt
Zwei Gedanken dazu:
1. Unterschätzt bitte nicht die Medienkompetenz in Schulen. Da tut sich sicherlich auch vieles, auch wenn natürlich Kenntnisse und Kompetenzen sehr ungleich verteilt sind.
2. Dennoch und eigentlich auch gerade deshalb finde ich es äußerst interessant, in der Schule nicht nur “im eigenen Saft zu schmoren”, sondern mit Experten aus der Wirtschaftswelt Kontakt zu bekommen.
Und etwas (wohl unfreiwillige) Komik: Ich konnte den kommentierten Beitrag (!) zu Ende lesen, weil ich auf “Betrag (!) weiterlesen …” geklickt habe
@ Karl Kirst: Wir möchten auch außerhalb der Rhein-Main-Region aktiv werden. Wenn Sie ein Referent oder ein Konzept interessiert, dann setzen Sie sich bitte ruhig mit uns in Verbindung. Warum: (a) Vielleicht fühlt sich der Referent geschmeichelt und macht es trotzdem, vielleicht finden wir bei einer konkreten Anforderung auch Sponsoren, die die Fahrtkosten bezahlen; (b) ist es auf jeden Fall für uns interessant zu wissen, und vielleicht finden wir dann auch jemand anders, der etwas Ähnliches in Ihrer Nähe anbieten mag.
Es gibt übrigens auch die Initiative “erlebe-it” der BITKOM, vielleicht ist da jemand in Ihrer Nähe.
zu 1: Ein völlig berechtigter Hinweis. Wir wollen auch nicht einseitig (und überheblich) belehren, sondern Kommunikation mit Ihnen und den Schülern. Darum bitten wir Sie besonders um Hinweise, was Sie interessieren würde, wir werden dann gezielt suchen oder uns etwas überlegen. Aber: Ich glaube schon, dass Sie und andere, die uns hier im Netz finden, noch zur “Avantgarde” gehören. Daher bitten wir Sie auch, Ihre weniger oder gar nicht internet- und computeraffinen Kollegen auf uns aufmerksam zu machen. Auch “die 60jährige Französischlehrerin”, es kommen bald noch Vorträge über die Zukunft der Buchbranche und der Museen und Archive ins Angebot.
Ja, und vielen Dank für den Hinweis… in Rechtschreibung werden wir voraussichtlich kein Angebot machen…