Warum ich hier bin

January 15, 2010 in Vorstellungsrunde von Ulrike Elteste

Meine eigene Schulzeit verbrachte ich vor mehr als 20 Jahren in einer niedersächsischen Kleinstadt. Damals war ich eigentlich mit der Schule ganz zufrieden. Ich erlebte motivierte und motivierende Lehrer. Auch das Gegenteil. Wirklich gehasst habe ich nur das elende Geräteturnen. Hoffentlich ist das inzwischen nicht mehr Pflicht. Im Nachhinein denke ich, dass die Lehrer zu wenig Möglichkeiten zu Eigeninitiative hatten und von den Lehrplänen zu stark gegängelt wurden, denn einige starke Aha-Erlebnisse hatte ich in Stunden, die freier gestaltet werden konnten. Außerdem finde ich, dass Querverbindungen zwischen einzelnen Fächern – etwa zwischen Mathematik und den Naturwissenschaften, zwischen Erdkunde und Geschichte – nicht ausreichend aufgezeigt werden konnten. Und dass Lehrer Abwechslung vom täglichen Trott brauchen, damit sie nicht ausbrennen und ihr Unterricht nicht monoton wird.

Was den Umgang mit IT und Medien angeht, so erinnere ich mich an meinen erfolglosen Versuch, Pascal zu lernen, und an viele Lehrfilme mit wabernden Fresszellen, Ribosomen und so weiter. Außerdem hatten wir ein Sprachlabor. Wie man ein Sprachlabor aber richtig einsetzt, erlebte ich erst nach der Schule, in Paris, wo man mir und anderen Studenten mit Deutsch oder skandinavischen Sprachen als Muttersprache im Sprachlabor (mit teilweise urkomischen Übungssätzen) gezielt den harten Akzent abtrainierte.

Heute treibt mich weniger die Erinnerung an meine eigene Schulzeit um als die Sorge, dass die deutsche Gesellschaft als Ganzes zu zögerlich und falsch auf die digitale Revolution reagiert und wir dadurch Möglichkeiten verpassen könnten, das Informationszeitalter aktiv und positiv mit zu gestalten. Die Erfahrung mit dem Sprachlabor zeigt, dass es nicht reicht, Lehrern teure Technik hinzustellen. Man muss reden und jeden Lehrer und Schüler unabhängig davon, wie computer- oder technikaffin er ist, ernst nehmen. Darum möchten wir mit dieser Initiative Begegnungen fördern, bei denen Informationen und Meinungen im realen Leben ausgetauscht werden.

Ich sehe mich eher in der Vermittlerrolle, würde aber auch nicht kneifen, wenn jemand eine Veranstaltung zu rechtlichen Aspekten der digitalen Revolution wünscht, beispielsweise über die Rechtsfragen im Zusammenhang mit

  • Google Book Search-Projekt
  • Google Earth
  • Datenschutz
  • Die Zukunft des Journalismus/Leistungsschutzrecht
  • Die Krise der Musikindustrie
  • Die “Copyright Wars”: Kampf um das Urheberrecht
  • “Some Rights Reserved” statt „All Rights Reserved”? Creative Commons.

Herzliche Grüße
Ulrike Elteste